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Interview I
Interview II


Ausrisse aus zwei Arbeiten für das Lifestylemagazin GQ aus dem Jahr 2003.

 
Mode

Die Ausweitung der Einkaufs-Zone

Das Netz der Fashion-Victims: Online-Shops verkaufen mit unterschiedlichsten Konzepten Designermode über das Internet. 

Shopping: Für Frauen ist es meist der Gipfel der Genüsse - für das Gros der Männer eine reinrassige Horrorvorstellung. So entwickelt sich das vermeintlich starke zum rasanten Geschlecht, wenn es um die Geschäftsabwicklung in Boutiquen oder Designer-Stores geht. Nur wenige, hektische Minuten vergehen zwischen Umkleidekabinen und Kreditkarten-Terminals. Und wenn für weibliche Käufer der Spaß gerade erst anfängt, ist für Männer schon wieder alles vorbei. Das Problem kennt man ja.

Doch es gibt Alternativen zum ungeliebten Shopping-Trip in die Fußgängerzone. Immer mehr Fashion-Anbieter setzen auf das Internet. Die Bandbreite der Online-Shops reicht vom preisaggressiven Outlet-Store über den exklusiven Designer-Vertrieb bis zum Maßschneider. Bei aller Unterschiedlichkeit einen zwei Features die meisten Konzepte: Der kostenlose Versand sowie das unkomplizierte Umtausch-Handling. Der Einkauf im Internet mag mangels haptischer Erlebnisse und Umkleidekabinen gewöhnungsbedürftig sein - risikoreich ist er in der Regel nicht.

Die Shops
Als klassisches Bekleidungshaus mit hochwertigem Marken-Angebot positioniert sich der virtuelle Herrenausstatter (www.herrenausstatter.de) im Netz. Im Online-Shop verkauft das Münchner Unternehmen unter anderem Mode von Pierre Cardin, Seidensticker, Marc O`Polo oder Burlington. Die Internet-Präsenz überzeugt mit klar gegliederten Übersichten und eingängiger Produktdarstellung. Für Weihnachten bietet der Herrenausstatter seinen Kunden überdies ein besonderes Feature: Geschenkgutscheine können in beliebiger Höhe über Email versandt werden.

Eine andere Ausrichtung verfolgt der Internet-Shop Dress-for-Less (www.dressforless.de). Das Frankfurter Unternehmen versteht sich als “das größte Designer-Outlet im deutschen Internet” und geht entsprechend aggressiv zur Sache. Markenware von Armani bis Versace wird hier bis zu 70 Prozent unter den empfohlenen Ladenpreisen verkauft. Dress-For-Less setzt darüber hinaus auf Tempo: Kunden, die vor 16 Uhr ordern, können die Waren in der Regel bereits am nächsten Tag im Empfang nehmen.

Ein ähnliches Konzept verfolgt YOOX (www.yoox.de). Der Anbieter verkauft Designer-Mode von Marken wie Prada, Gucci, Helmut Lang oder Jil Sander über das Internet. Mit trendigen Produkten, einfacher Benutzerführung und einem ausgeklügelten Service-Konzept sorgt das italienische Unternehmen seit neuestem auch in Deutschland für Furore. Der Clou bei der Sache: Die Angebote von YOOX sind weder Second-Hand noch zweite Wahl. Sie stammen vielmehr stets aus der jeweils vergangenen Saison und werden als Einzelstücke um bis zu 75 Prozent unter den ursprünglichen Ladenpreisen angeboten. Für Fashion-Victims ist YOOX damit das heißeste Angebot im Internet.

Auf hochwertige Designermode hat sich auch Haburi (www.haburi.com) spezialisiert. Das Unternehmen, dessen Name auf Japanisch reichlich lyrisch “Flügelschlag eines Vogels” bedeutet, setzt im Internet auf Lagerverkauf. Hersteller wie Calvin Klein, Armani oder Burberry reduzieren über Haburi die Lagerbestände. Der Vorteil: Original-Markenprodukte werden oft zu erheblich günstigeren Preisen als üblich angeboten.

Das alles ist natürlich Konfektion und damit Massenware. Wer einen individuelleren Stil bevorzugt, kommt bei Maile (www.maile.com) auf seine Kosten. Denn das Unternehmen - Werbeslogan: “Individuals of Style” -  hat ein System zur Maßfertigung über das Internet etabliert. Käufer ermitteln ihre Ideal-Größen mt Maßband und Musterkleidung. Auf der Basis dieser Daten können alle Kleidungsstücke - vom Anzug bis zur Frackausstattung - innerhalb von vier Wochen maßgerecht gefertigt werden.


Design 

Bits of Beauty 

Cyber-Wesen aus den Tiefen der Festplatten erobern das Entertainment-Geschäft. Die virtuellen Popstars und Schauspieler bestechen durch erstaunliche Realitätsnähe.

Die Revolution beginnt im Jahr 1984. Damals stottert sich Max Headroom als erste virtuelle Kultfigur über die weltweiten Mattscheiben. Max konnte sich in der gleichnamigen TV-Serie durch Computernetze bewegen und aktiv in das Fernseh-Programm einblenden. Sehr weit her war es jedoch nicht mit seiner Virtualität. So lieh der Schauspieler Matt Fewers dem vermeintlichen Computerwesen nach einer nervenaufreibenden Sitzung mit der Maskenbildnerin seine Identität.

Seit den achtziger Jahren hat sich die Computertechnik jedoch im rasanten Tempo weiterentwickelt. Und die Nachkommen von Max Headroom überzeugen als virtuelle Persönlichkeiten durch immer realistischere Anmutung. Ein hervorragendes Beispiel für diese Entwicklung hört auf den Namen Kyoko Date (www.kyokodate.com). Kyokos Leben begann im Jahr 1995 auf den Festplatten des japanischen Entwickler-Unternehmens HoriPro. Ein Team von Programmierern erschuf Miss Date aus 40.000 Polygonen. Drehbuchautoren ersannen dem Pixelwesen eine Biographie. Kyoko Date trällerte in Japan den Hit “Love Communication” und trat in Fernsehshows und Videoclips auf. Ende der neunziger Jahre verschwand jedoch  auch dieses Cyberwesen weitgehend in der Versenkung.

Für Kyokos Karriere-Ende gab es gute Gründe. So stieß das Pixelwesen Lara Croft (www.laracroft.com) die zierliche Japanerin vom Thron des beliebtesten Cyber-Stars. Lara begann ihre Laufbahn im Computerspiel Tomb Raider. Die digitale Heldin beflügelte gleichermaßen das Joystick-Geschick wie die Phantasie der Bildschirm-Gamer. Die Spiele-Firma Eidos (www.eidos.de) erkannte das Potential der Spielfigur und verschaffte Miss Croft ein Eigenleben. Seitdem turnt Lara durch Musikvideos und wird als Merchandising-Thema auf Mousepads und Kaffeetassen vermarktet. Den großen Auftritt im Tomb Raider-Film überließen die Macher jedoch lieber einer Schauspielerin aus Fleisch und Blut. Dafür sprachen wohl auch finanzielle Gründe: Die Animation von Lara Croft kostet angeblich weit über 10.000 Dollar je Film-Minute. Die Verpflichtung von Angelina Jolie dürfte günstiger gewesen sein.

Doch auch Lara Croft ist längst nicht mehr das perfekteste Cyberwesen. Dieser Titel geht derzeit an eine Computeranimation mit dem Namen Aki. Das Model hatte unlängst in der Verfilmung des Computerspiels “Final Fantasy: Die Mächte in dir” (www.final-fantasy-der-film.de) ihren ganz großen Auftritt. Aki ist von Kopf bis Fuß am Computer entstanden und ein virtuelles Wesen von höchster Perfektion. Tatsächlich muss man schon zwei Mal hinsehen, bevor man die Computeranimation vom realen Mensch unterscheiden kann. Der Schöpfer von Aki, Regisseur Hironobu Sakaguchi, erklärt: “Wir haben beim Gesichtsausdruck vielleicht erst 30 Prozent Naturtreue erreicht. Aber schon das ist verdammt viel.” So viel Authenzität hat ihren Preis. Die Produktion von Final Fantasy verschlang über hundert Millionen Dollar. Die Einspielergebnisse rechtfertigten diese Investition jedoch nicht: Der Film blieb deutlich hinter den Erwartungen seiner Macher zurück.

Ein anderes Cyberwesen avancierte dagegen zum Überraschungshit des vergangenen Sommers. Allein in Amerika spielte das computeranimierte Grummelmonster Shrek (http://movies.uip.de/shrek/) in den vergangenen Monaten eine Milliardensumme ein. Der Erfolg des Computer-Wesens beweist, dass ein ausgeprägter Charakterkopf auch in der virtuellen Welt alle Mal interessanter wirkt als die Masse der normierten Beauties.

 


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